Burschenschaft Friedigerode

Die
Kirmes in ihrer ursprünglichen Art ist schon um einiges älter als die besagten
25 Jahre. Die Reise beginnt im frühen 19. Jahrhundert, aus dem die ersten mündlichen
Überlieferungen zu diesem Fest bekannt sind. Wann genau die erste Kirmes in
Friedigerode stattgefunden hat, kann nicht mehr genau gesagt werden. Früher
wurde die Kirmes anlässlich der eingebrachten Ernte gefeiert. Aus diesem Grund
fand die Kirmes erst im Spätherbst, als die Leute wieder mehr Zeit hatten,
statt. Wie alle umliegenden Kirmessen wurde auch die Friedigeröder Kirmes im
Saal ausgetragen. Veranstalter waren von Anfang an die Kirmesburschen. Gefeiert
wurde bei Knott’s im Saal. „Kirmesburschen“: der Name war Programm, denn
anfänglich waren nur die jungen unverheirateten Männer Mitglieder in der
Burschenschaft. Erst in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden
auch die Mädchen aufgenommen.

Kirmesburschen
mit Kapelle um 1928
Die Kirmesburschen kümmerten sich zusammen mit dem austragenden Wirt um die Organisation. Damals waren die Burschen aber nicht in dem Ausmaß während der Kirmes eingebunden wie heutzutage. Sie mussten lediglich mit dem Wirt den Termin absprechen und eine Kapelle organisieren.
Während
In dieser Form fand die Kirmes in Friedigerode Jahr für Jahr, mit einer längeren Unterbrechung während der Weltkriege, bis in die siebziger Jahre hinein statt.
Finanzielle Schwierigkeiten der Burschenschaften, bedingt durch die immer teurer werdenden Kapellen, die nicht mehr alleine durch die Eintrittsgelder getragen werden konnten, waren ein Grund für diesen Schritt. Außerdem ließ es sich im Sommer in einem hellen und freundlichen Zelt besser feiern, als in einem Saal im kalten November.
In
Friedigerode hielt man jedoch an alten Traditionen fest und feierte weiter eine
Saalkirmes. Obwohl es immer schwieriger wurde, eine Saalkirmes auszurichten,
scheiterte in der Mitte der siebziger Jahre eine Initiative einiger
Burschenschaftsmitglieder, die ebenfalls eine Zeltkirmes in Friedigerode
veranstalten wollten, am Widerstand der Friedigeröder Bevölkerung und an
Teilen der Burschenschaft. So musste ein Weg gefunden werden, wie die Kirmes in
ihrer ursprünglichen Art für die nächsten Jahre gesichert werden konnte. Dies
wurde realisiert durch die Verpflichtung der „Triffters“, einer für die
damalige Zeit preiswerten Kapelle.
Doch
trotz des unermüdlichen Engagements der Burschenschaft, verlor die Friedigeröder
Saalkirmes im Vergleich zu den umliegend stattfindenden Zeltkirmessen immer mehr
an Besuchern und somit an Attraktivität.
Schließlich
kam das Jahr 1978. Die in diesem Jahr stattfindende Kirmes war geprägt von
vielen Differenzen innerhalb der Kirmesburschen. Zu alledem konnten die Kosten
nur unter Zuhilfenahme des durch die Burschen vor der Kirmes angezahlten Geldes
gedeckt werden. Mit dem festen Glauben daran, die letzte Kirmes in Friedigerode
gefeiert zu haben, wurde diese im Garten von Knott`s Fritz vergraben. Der
Vorstand trat nach der Kirmes zurück. Auch die älteren erfahrenen
Burschenschaftsmitglieder hatten nicht mehr den Ehrgeiz, eine Kirmes zu
veranstalten. Somit gingen alle davon aus, dass es 1979 seit langer langer Zeit
keine Kirmes in Friedigerode geben sollte.
Glücklicherweise gibt es aber in Friedigerode neben der Kirmes eine weitere traditionelle Veranstaltung, die Feier am ersten Mai, die das Fortbestehen der Kirmes in Friedigerode garantieren sollte. Ursprünglich sollte sich im Rahmen dieser Feier getroffen werden, um die letzten Reste der
Burschenschaftskasse
zu vertrinken. Im Laufe des Tages und einige Biere später kam erneut die Idee
einer Zeltkirmes auf. Die Jüngeren waren sofort Feuer und Flamme und so wurden
die „alten Hasen“ Jürgen Manz, Alfred Manz, Gerhard Wiegand und Dieter
Pantke, die schon mehrere Kirmessen hinter sich gebracht hatten, als
Organisatoren auserwählt.
Die Tatsache, dass ein Festplatz, eine Kapelle, ein Zelt sowie Getränke in sehr kurzer Zeit organisiert werden mussten, machte das Vorhaben sehr schwierig. Zudem waren einige Friedigeröder in bezug auf eine Zeltkirmes noch immer sehr skeptisch. Des weiteren wollte keiner der Vier aufgrund der Erfahrung vom Vorjahr die notwendigen Verträge alleine unterschreiben. Es sah also wieder so aus, als müsste Friedigerode doch noch länger auf seine erste Zeltkirmes warten.
Doch
die Burschenschaft riss sich zusammen. Die Vier unterzeichneten gemeinsam die
Verträge. Zudem wurde mit den „Clochards“ eine Kapelle gefunden. Jürgen
Manz wurde neuer Kirmessevater. Am 18. September war es dann endlich so weit.
Die erste Zeltkirmes in Friedigerode begann! Jedes einzelne
Burschenschaftsmitglied wusste, dass diese Kirmes im Vergleich zur Saalkirmes
eine Menge Arbeit machen würde und zum Feiern wenig Zeit blieb, trotzdem gingen
alle voller Tatendrang ans Werk. Auch die Friedigeröder nahmen diese neue Form
der Kirmes an und unterstützten die Burschenschaft tatkräftig. Es war ein
Anfang, obwohl es galt, in den folgenden Jahren noch so manches zu verbessern.
Jeder war glücklich, dass die erste Kirmes entgegen aller Prognosen ein Erfolg
war.
Aber
auch die zweite Zeltkirmes im Jahre 1980 stand anfänglich unter keinem guten
Stern, denn weitere erfahrene Mitglieder traten aus der Burschenschaft, bedingt
durch Heirat, aus. Unter ihnen war auch der Kirmessevater Jürgen Manz. Somit
bestand die Burschenschaft 1980 aus nur noch 23 Leuten. Zudem war von diesen 23
Mitglieder ein Großteil unter 18 Jahren. Als neuer Vorsitzender wurde nun Erwin
Wiegand gewählt, der zuvor Kassierer war. Während der Jahreshauptversammlung
1980 wurde festgelegt, aus welchen
Ämtern der Vorstand bestehen sollte. Es wurde sich darauf geeinigt, dass es
einen Kirmessevater, einen Kassierer sowie einen Schriftführer jeweils mit
Vertreter geben sollte. Die Wahlen sollten jährlich stattfinden. Die
„Clochards“ wurden von den „Candles“ als Kapelle abgelöst, die dann bis
1983 auf der Friedigeröder Kirmes spielen sollten.
Die
Burschenschaft stand nun im folgenden vor der Aufgabe, die neue Zeltkirmes in
den umliegenden Dörfern zu etablieren. Die letzten Saalkirmessen hatten der
Friedigeröder Kirmes den Ruf einer „grauen Maus“ eingebracht. Deswegen fuhr
die Burschenschaft, wie es heute auch noch üblich ist, geschlossen auf andere
Kirmessen im Umland, um Werbung in eigener Sache zu machen. Die Werbung schien
gelungen, denn die Zahl der Burschenschaften stieg Jahr für Jahr an. Das
Unternehmen Zeltkirmes in Friedigerode fand somit nicht nur Anklang innerhalb
der Friedigeröder Bevölkerung, sondern auch bei unseren auswärtigen Freunden.
Eine
Jury aus Burschenschaftsmitgliedern bewertet vor dem Umzug am Freitagabend die
Fahrräder der Kinder. Die Ergebnisse werden gesammelt und bis zum Sonntag
geheimgehalten. Als Höhepunkt der Kinderkirmes ziehen dann die Kinder mit ihren
Fahrrädern unter dem Beifall der anderen Gäste am Sonntagnachmittag mit ihren
geschmückten Rädern ins Festzelt ein. Auf der Bühne werden dann die
Ergebnisse bekannt gegeben und die Preise verteilt. Durch die vielen geschmückten
Fahrräder der teilnehmenden Kinder wurde der Kirmesumzug wieder viel farbenprächtiger.
Die Kinderkirmes war von Anfang an ein voller Erfolg und sehr beliebt bei den Jüngsten.
Die
Theaterveranstaltung wurde auf den Montagabend verlegt. Die Friedigeröder
hatten somit die Gelegenheit sofern sie nicht die Disco besuchen wollten, einen
Tag zu regenerieren, um Montagabend nochmals frisch gestärkt auf die Kirmes zu
kommen. Die Zeltdisco wurde insgesamt bis 1996 veranstaltet, wo sie dann
aufgrund fehlenden Erfolges aus dem Programm genommen wurde. Am Sonntagabend ist
seitdem kein offizielles Programm mehr angesetzt. Der Sonntag kann somit ruhig
ausklingen und die Mitglieder der Burschenschaft haben Zeit, selbst ein wenig zu
feiern oder wer es an den vorherigen Tagen übertrieben hat, sich ein wenig zu
erholen.
1993 fand auch nach zweijähriger Pause das lang ersehnte Comeback der Theateraufführungen statt. Eine feste Gruppe von Laienschauspielern hat sich seit dieser Zeit zusammengefunden, die Jahr für Jahr die Gäste mit lustigen Geschichten und Anekdoten erfreuen. Da im Laufe der Zeit viele der Schauspieler keine Mitglieder der Burschenschaft mehr waren, wurde 1996 ein eigenständiger Verein gegründet, die „Freiererer Olwettskepp“.
1997
übernahm mit Corinna Wagner die zweite Frau das Amt einer Kirmessemutter. So
waren bis 2000 die Geschicke der Burschenschaft fest in Frauenhand. Zudem wurde
das früher traditionelle Eierspeckessen am späten Sonntagnachmittag wieder
eingeführt. Besonders die Besucher,
die seit dem Frühschoppen im Zelt sind, konnten sich auf diesem Wege neben
Bratwurst, Kaffee und Kuchen noch zusätzlich stärken.
Das
Jahr 2001 brachte aber auch während der Kirmes viele Neuerungen mit sich. Zum
einen wurde die Sektbar erstmals unter ein Motto gestellt. Beim Besuch der „Mexican
Bar“ stellte sich bei so manchem Besucher „mittelamerikanisches Feeling“
ein. Vielleicht ausgelöst von den Bedienungen, die stilecht in Poncho und
Sombrero die Getränke servierten oder durch den Tequila, der in rauen Mengen
floss. Vielleicht aber auch durch den Sand, der den Boden bedeckte.
Zum
anderen wurde erstmals auf der Kirmes Weizenbier und Cola-Apfelwein vom Fass
angeboten, der manchen Burschenschaften so gut schmeckte, dass sie anstatt einem
Fass Bier ein Fass Apfelwein auf Austausch tranken.
Aber
auch der Montagabend enthielt etwas Neues. Neben den altbewährten „Freiererer
Olwettskepp“ gaben sich auch Weltstars auf der Friedigeröder Zeltkirmes
die Klinke in die Hand. Neben Roy Black und Anita und die „Ö La Palöma
Boys“ traten die „No Angels“ auf.
Am Montag traten neben vielen anderen Stars die Village People mit YMCA und Karel Gott mit einer etwas überdimensionierten Biene Maja auf.
2003
ist zum ersten Mal Oliver Manz Kirmessevater, der damit die indirekte Nachfolge
seines Vaters antritt, der vor genau 25 Jahren erster Kirmessevater der
Zeltkirmes war. Außerdem ist Oliver Manz bis heute der Kirmesvater.
